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Samstag, 16. Januar 2016

Von Sightseeing und Sauerkraut

Heute habe ich eigentlich nur den Plan, dass ich mir das Seodaemun Prison ansehen möchte und danach mal sehen was kommt. Aber erstmal ausschlafen, so dass der Tag erst ab 11 Uhr beginnt, gegen 12 Uhr starte ich Richtung Gefängnis, das ist vom Hotel aus recht gut erlaufbar.
Songjae Suhr Jae-Phil
Vor Ort lasse ich erstmal den Unabhängigkeitsplatz auf mich wirken, ein schöner Park mit mehreren Statuen, an dem an die koreanische Unabhängigkeit von Japan nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert wird. Im Vergleich zu anderen Sehenswürdigkeiten ist es hier erfrischend ruhig, endlich mal was nach meinem Geschmack, denn die anderen Sachen waren bisher immer völlig überlaufen. Danach gehe ich zum Gefängnis weiter.
Erstmal noch fix den Geocache vor Ort absolvieren, gar nicht so leicht mit all den Muggeln hier, aber Koreaner (egal ob 15 oder 99 Jahre) schauen eh die meiste Zeit auf ihr Smartphone, von daher: Wenn interessiert's?
Als ich mich grad der Kasse nähere spricht mich ein junger Koreaner an und bietet mir eine englische Tour für lau an, wenn ich denn Lust habe. Ja, warum nicht? Ich bin dann aber doch verwundert, dass er sich als Guide anbietet, aber dann doch sein Ticket bezahlen muss, Ich frage nach: Er ist Schüler (16) und nutzt dieses Freiwilligenprogramm, um Englisch zu üben. Ok, coole Sache, aber warum muss er dann Eintritt zahlen? Die Antwort ist simpel: Gute Bildung kostet. - Oh ok - interessant.
Er zählt mir einige historische Aspekte zum Gefängnis, die durchaus interessant sind. Als nächstes folgt der Teil durchs Museum, der fast ausschließlich aus Bildern und Texten besteht. Er gibt mir Zeit alles anzuschauen, will ich aber eigentlich gar nicht. Also erkläre ich ihm erstmal welcher Typ von Besucher ich bin: ich hab kein Interesse Texte zu lesen oder Bilder anzuschauen, sondern ich will das Gefängnis sehen wie es ist: Als Gefängnis, nicht als Museum. Überrascht ihn etwas, ist aber nicht böse darüber. Wenigstens kann ich so die Zeit nutzen, um mal wieder ein paar Dinge über Korea zu erfahren, die der "normale" Besucher nicht erfährt. So erfahre ich bspw., dass es jedes Jahr im Oktober und November Einstufungstests für Schüler gibt (in höheren Klassen sind das die Einstufungstests für die Uni). Ein Teil davon ist auch Geschichte. Da es aber zu viel Geschichte für ein Wochenende ist, hat sich eingebürgert, dass die Mütter verschiedene Teile der Geschichte lernen und ganzjährig abwechselnd mit einer Gruppe von Kindern an den Wochenenden verschiedene Sehenswürdigkeiten besuchen und ihnen die Geschichte erklären. Erkennbar sind die Kinder an den einheitlichen Rucksackfarben. Aha! Ich hatte mich schon gewundert, dass gerade am Wochenende so viele Kinder an den Sehenswürdigkeiten unterwegs sind und angestrengt zu hören.
Nach der sehr aufschlussreichen Tour geht weiter zum Bongeunsa Tempel, einem der bekanntesten buddhistischen Tempel in Korea. Dazu muss ich aber erstmal die U-Bahn nehmen und dachte schon, weil ich die einzige am Bahnsteig bin, dass es eine relativ entspannte Fahrt wird, was kommt ist eine der überfülltesten Bahnen, die ich bisher erlebt habe. Wow.
Mireukdaebul und ich
Der Bongeunsa-Tempel ist schön anzusehen. Viele Leute kommen zum Beten her, mir fallen vier Leute immer wieder auf, die zum Beten herkommen sind und mir während des gesamten Besuchs immer wieder begegnen. Ausgehend von denen ist Buddhismus ne recht anstrengende Angelegenheit: In jedes Gebetsgebäude rein gehen, davor Schuhe ausziehen, dann zum nächsten, usw. Ganz zum Schluss zu Mireukdaebul, der größten Buddha-Statue in Korea. Dort muss man als Buddhist zu erst davor beten, dann einmal um die Statue laufen. Die Statue hat mehrere Motive eingraviert, vor jeder Gravur muss man stehenbleiben und sich verneigen. Ich hab nicht gezählt, aber es sind mindestens acht, wenn nicht gar mehr.
Die Amis und die Sowjets haben ihren
Schrott da gelassen
Danach fahre ich noch zum Korean War Memorial, weil dies auf dem Rückweg zum Hotel liegt. Hier gibt's viele Kriegsgeräte (Flugzeuge, Kanonen, Raketen, Panzer,...) von den Amerikanern und Sowjets zu sehen. Auf viele Kriegsgeräte kann man auch hochklettern. Es gäbe auch noch die Möglichkeit die Memorial Hall zu besuchen, aber da hab ich keine Lust dazu und fahre kurz vor 18 Uhr zurück zum Hotel.

Gegen 19 Uhr gehe ich noch mit ein paar Kollegen meiner Firma und der SAP zum Dinner und anschließenden Bier. Das ist heute sehr international: Ein Inder, ein Kanadier, ein Niederländer und zwei Deutsche. Wir versuchen drei Restaurants, keins hat einen Tisch für fünf Leute frei oder nur mit einer Wartezeit von über einer Stunde oder man teilt uns im Restaurant in 3 bzw. 2  Personen auf. So schlägt einer vor "Let's go to my ex-wife" Was seiner Ex-Frau? Wie lange ist er schon hier, dass er hier eine Ex-Frau hat und warum wohnt er dann noch im Hotel!? Und wenn das schon seine Ex ist, warum will er überhaupt dort hin? Der Witz wird dann doch schnell klar, das Restaurant heißt "My x-Wife's Secret Recipe". Alles klar.
Würstchen und Sauerkraut
Die Karte beinhaltet alles! Von vermeintlicher deutscher, über vermeintlicher italienischer Küche und keine Ahnung was noch. So haben wir eine Platte mit Würsten und Sauerkraut und ansonsten italienischen Gerichten bestellt.
Mit Sauerkraut hat das Gebrachte nix zu tun, das ist mehr ein lecker angemachter und gedünsteter Krautsalat. Das Würstchen, dass ich probiert habe, war aber gar nicht mal so schlecht.
Ich hab Pasta mit Meeresfrüchten bestellt, ich hätte auch gern ein Steak genommen, aber "Beef Steak Teriyaki with Fried Rice" klang dann doch nicht mehr so lecker.

Danach gehen wir noch eine Brauerei, ich probiere verschiedene Sorten, aber davon schmeckt mir nix. Das Pilsener ist einfach nur bähh, das empfohlene I.P.A. schmeckt wie eine Mischung aus Kaugummi und Bier und das Pale Lager am Schluss war auch alles andere als lecker.
Eingang zur Brauerei
Aber immerhin wurde ich diesen Abend auch mal wieder Opfer der Technik: Auf dem Klo gab's gleich wohl ein Smartlet (ein intelligentes Klo, wie im Hotel), leider spült dieses nicht automatisch. Neben dem Klo befinden sich bald 20 Knöpfe, alle in Koreanisch. Ja, welchen genau muss ich nun zum Spülen drücken? Ich probiere den ersten Knopf: Der Fön geht an - ok, der isses schon mal nicht. Zweiter Knopf: Ein kleiner Stift kommt aus dem Klo herausgefahren, und bevor ich auch nur verstehe, was das ist, kommt ein Strahl Wasser heraus. Fuck, Und alles auf meine Hose! Nun sehe ich aus, als hätte ich eingepisst. Na vielen Dank! Nun zwänge ich mich ganz an die Wand und probiere die restlichen Knöpfe. Nichts führt ein Spülen herbei.
Ich merke aber schon, dass sich vorm Klo ne Schlange gebildet hat, ich öffne vorsichtig die Tür und erkläre schnell, dass ich nicht die geringste Ahnung habe, was ich für einen Knopf drücken muss. Sie hat zum Glück kein Problem damit. Puhhhh. Dass einmal aufs Klo gehen, so ein Problem sein kann....

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