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Donnerstag, 14. Januar 2016

Der Fahrstuhl ist ein echtes Highlight

Mein üblicher Kaffeeladen hat heute morgen geschlossen, obwohl "OPEN" dran steht oder hat endlich seine Tür reparieren lassen, die geht nämlich sonst nicht ganz zu, da wurde sie wohl nur zu gut repariert, wenn man gar nicht mehr rein kommt. Also gab's heute notgedrungen von Jesus gesegneten Kaffee vom Jesus Family Cafe-Straßenstand vorm Bürogebäude, wo ich ausgegebenen Gründen keinen Kaffee mehr kaufen wollte. Im Büro gibt's wie jeden Morgen erst mal ein Meeting - danach ist mir heute allerdings gar nicht, ich bin ziemlich müde und wäre lieber im Bett. Dass ich aber gestern meinen Kaffee wo anders kaufte (Zeitmangel) und heute wieder, brachte die Eingangsfrage auf, ob ich meinen Kaffee jeden Tag wo anders hole? Hmm, offenbar ein Thema, dass sie beschäftigt und mich und euch jetzt auch, aber eine ganze Woche lang fiel ihnen nicht auf, dass ich immer im gleichen Laden war. Naja, egal.

Da ich gern bebildere:
Die Bürotür ;-)
Zum Mittag gehe ich heute mal wieder mit meinen koreanischen Kollegen von Samsung essen, allerdings ohne Dolmetscher, das ist sowieso schon immer ne Nummer für sich, da koreanisches Englisch sehr schwer zu verstehen ist. Aber gut, für mich ist es auch sehr schwer die koreanischen Namen korrekt auszusprechen, von daher alles halb so wild. Für viel größere Erheiterung sorgt aber mal wieder der Fahrstuhl: Nach dem wir etwa 10 Minuten vor der Bürotür warten und der - oder besser gesagt - beide Fahrstühle keine Anstalten machen bei uns im 21. Stock zu halten, versuchen wir es am internen Fahrstuhl, der nur zu den Besprechungsräumen ein paar Stockwerke unter uns fährt, aber auch hier keine Chance. Also Treppen bis in den 15. Stock, warum wir nicht im 16. Stock unser Glück versuchen erschließt sich mir nicht. Denn sowohl die linken beiden Fahrstühle (1. bis 16. Stock), als auch die rechten beiden (1., 16. - 27. Stock) fahren den 1. und den 16. Stock als gemeinsamen Nenner an, da wäre die Chance gleich vierfach. Aber gut, dann eben 15. Stock. Kaum machen wir die Treppenhaustür auf, schon zeigt sich die riesige Schlange vorm Fahrstuhl. Sie geht vom vermeintlichen Standort des Fahrstuhls, den kann ich nämlich nicht sehen, einmal um die Ecke bis zu den Toiletten, macht an der Wand einen 180° Knick, führt einmal komplett die ganze Etage entlang bis am anderen Ende wieder eine Wand kommt und macht auch dort wieder einen 180° Knick und endet dann schließlich 1m vor der Treppenhaustür, die sich wiederum in Fahrstuhlnähe befindet. Ich muss laut lachen, die Koreaner gucken mal wieder komisch...bin ich ja schon gewöhnt. Herrje. :-D
Ok, dann also auch den Rest zu Fuß, da fällt mir als erstes auf, dass es keinen 13. Stock gibt, das ist nach Erklärung ein amerikanisches Ding, weil Unglückszahl, und einen 4. Stock gibt's auch nicht, weil das in Asien eine Unglückszahl ist - gut, das erklärt auch, warum ich mich draußen beim Durchzählen der Stockwerke verzählt habe und nicht auf 27 kam. Ich hatte schon an mir gezweifelt.

Aber nun endlich zum Mittag: Ich werde durch die engen Gassen geführt, die ich vor einigen Tagen doch schnell wieder verlassen wollte, in ein Restaurant, dass von draußen mal gar nicht einladend aussieht, da das Gebäude doch ziemlich heruntergekommen wirkt. Drinnen werden wir überraschend in den zweiten Stock geschickt, wow ein Lokal über drei Etage, das hab ich hier auch noch nicht gesehen, sonst sind das immer ziemlich kleine Läden, mit wenigen Tischen und alle proppevoll. Manchmal auch über eine Etage mit verschachtelten Gängen, in der Hoffnung, man findet wieder raus. Allerdings hat das Gebäude auch innen seine Tücken, jede Treppenstufe hat eine unterschiedliche Höhe und Tiefe, es ist fast unmöglich ohne zwischenzeitlich zu stocken, die Treppe am Stück hoch oder runter zu gehen. Dazu noch, muss selbst ich mich mehrmals ducken, um nicht an die Decke zu stoßen. Die Koreaner scheinen es gewöhnt zu sein, die männlichen Kollegen sind höchstens einen halben Kopf größer als ich.
Zum Essen verlasse ich mich rein weg auf die Empfehlung der Kollegen, die entscheiden sich schnell für Bibimbap. Ich bin gespannt.
Bibimbap
Es kommt eine sehr heiße Steinschale, die Gemüse, Reis, etwas Fleisch, Soße und ein rohes Eigelb enthält. Das Eigelb habe ich schon oft auf Speisekarten gesehen und hat mich immer abgeschreckt. Rohes Ei, da ist immer Vorsicht geboten. Bei diesem Gericht muss das Essen vorher einmal umgerührt werden, durch das sehr heiße Steingefäß stockt das Eigelb aber sofort beim Rumrühren. Problem gelöst.
Und das war echt lecker, wenn auch ein bisschen scharf, aber es ging gerade noch so für mich.
Die Koreaner möchten dann etwas über die Flüchtlingssituation in Deutschland wissen, und dass sie es gut heißen, dass Deutschland so handelt und natürlich auch meine Meinung zum Thema wissen. Uff und das in Englisch. Ja, ich finde das auch gut, aber es sind zu viele, was zu organisatorischen Problemen führt. Dann fragen sie, ob jeder Flüchtling ein Haus bekommt? Da muss ich erstmal verwundert nachfragen, anscheinend berichten die Nachrichten auch in Südkorea nicht ganz so wie es ist.
Naja, aber dafür kann ich gleich die Chance nutzen, wenn wir schon bei solchen Themen ohne Dolmetscher sind, was denn ihre Meinung zu Nordkorea ist. Das habe ich ja letzte Woche schon mal angeschnitten, aber da hauptsächlich die Meinung der Dolmetscherin gehört, die ist ja heute nicht dabei. Aber auch hier ist von den drei Herren die Meinung eindeutig: Wir machen uns keine Sorgen über Nordkorea, es ist i.d.R. ziemlich lächerlich, was man zu hören bekommt. Aber als neue Info kommt hinzu, und da muss ich mich jetzt auf die Aussage verlassen: Dass viele Südkoreaner das Verhalten ihrer Regierung ggü. Nordkorea nicht gut heißen bzw. sogar hassen. Stichwort ist hier z.B, das kindische Verhalten "Propagandabeschallung an der Grenze" seitens Südkorea in der letzten Woche.

Das Büro kurz nach Beginn der
Mittagspause.
Genug davon; der Nachmittag zieht sich zwischen: Ich will schlafen! Ich habe Hunger! Und nein bitte nicht noch mehr Arbeit! Ich bin heilfroh, als es endlich 18 Uhr ist und ich fluchtartig das Büro verlassen kann.
Beim Abendbrot im Hotel lese ich am Buffet was von Gurke, mache den Topf auf und entdecke keine, sieht aber auch nicht so toll aus, und stürze mich auf die Lasagne. Ein Kollege kommt später noch dazu und meint, dass er nicht verstehen kann, warum "Seegurke" hier ne Spezialität ist. Hmmm? Seegurke? Stand da nicht nur "Gurke"? Nein, tatsächlich "Sea Cucumber". Er meint ich solle es ruhig mal probieren, aber am besten nur ein kleines Stück.
Oh ja, besser ist das, das ist von der Konsistenz wie lappige Schweineschwarte gepaart mit Wackelpudding, schmeckt nicht schlecht, ist aber eklig zu essen. Gut, dass ich nur ein kleines Stück genommen habe. ;-) Und ja, auch ich kann nicht verstehen, warum dies eine Spezialität sein soll.

Danach geht's noch ne Runde durch die Underground-Shopping-Center. Eine Sache, die man hier auch schnell lernt, viele Läden finden sich in den U-Bahn-Stationen bzw. daran angeschlossenen unterirdischen Shoppingmeilen. Es ist ein stetiger Wechsel zwischen kalten U-Bahn-Shoppingbereich und ausschließlichem Shoppingbereich, so dass man die Etage nicht verlässt, aber ständig die Jacke zu- oder aufmachen muss.
Und nutzt man einen unbekannten Ausgang, kann man immer wieder überrascht sein, wo man rauskommt und was es dort zu erleben gibt. Das brachte mich zu dem nebenstehenden Foto. Da ich mir aber nicht sicher bin, ob ich den verworren Weg durch den Untergrund zurückfinde, gehe ich oberirdisch lang und lande schlussendlich, wegen der Nichtverfügbarkeit eines Fußgängerüberwegs wieder im Untergrund. Trotz gutem Orientierungssinn manchmal echt kompliziert.

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